Edelgard Jäger

Edelgard Jäger  geb. Brill Edelgard Jäger  geb. Brill
Im Gedenken an Frau Edelgard Jäger geb. Brill, die am 15. November 1915 in Pforzheim geboren wurde und am 10. Dezember 2006 in Freiburg i.Br. im Alter von 91 Jahren verstorben ist, haben wir diese Seite eingerichtet.

Zunächst veröffentlichen wir hier die Rede des Geistlichen, die bei der Trauerfeier am 14. Dezember 2006 in der Einsegnungshalle auf dem Freiburger Hauptfriedhof gehalten wurde. Wir geben damit Freunden und Bekannten Gelegenheit, die Rede nachzulesen und noch einmal von Frau Jäger Abschied zu nehmen.

Mehr Informationen werden später auf dieser Website eingestellt. 
 
Baum
 
Trauerfeier am 14.12.2006 - Rede des Geistlichen: 
 

Das Leben ist ein Prozeß des Loslassen-Könnens. Das Loslassen von Bedingungen, die wir nicht kontrollieren können, von Menschen die uns verlassen, von Erinnerungen, Orten und Erlebnissen.

Etwas hinter uns zu lassen, was wir geliebt haben, macht uns traurig, aber es birgt auch eine ungeahnte Möglichkeit persönlichen Wachstums in sich.

Solche Erinnerungen geben den Anstoß dazu, uns selbst und andere besser zu verstehen.

Wir hören eine Lesung aus dem Buch Kohelet:

 
Alles im Leben hat seine Zeit

eine Zeit zum Geborenwerden und eine Zeit zum Sterben

eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,

eine Zeit zum Arbeiten und eine Zeit , von der Arbeit auszuruhen,

eine Zeit der Krankheit und eine Zeit, die Wunden zu heilen,

eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen,

eine Zeit der Umarmung und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,

eine Zeit zum Reden und eine Zeit zum Schweigen,

Alles in unserem Leben ist dem Gesetz der Zeit unterworfen und keiner von uns hat die Macht über diese unsere Zeit, weil allein Gott der Zeit mächtig ist.
 

Liebe Trauergemeinde, Freunde und Bekannte von Edelgard Berta Jäger (V.i.S.d.P.),

der griechische Schriftsteller und Philosoph Euripides hat vor langer Zeit den Satz geprägt:

"Wer weiß denn schon, ob  nicht das Leben ein Sterben und das Sterben Leben ist." Wie treffend sind doch diese Worte angesichts der Stunde, zu der wir uns hier versammelt haben. Betrachten wir unser Leben vom Tag unserer Geburt an, von jener Stunde, in der wir hilflos aus dem Schoß der Mutter geboren  wurden, wie wir heranwuchsen und  wie wir schließlich -  so  wie wir gekommen sind - in der letzten Stunde unseres irdischen Lebens,  dem Tod ausgeliefert sind.

Wenn wir bedenken, daß jede Minute und jede Stunde, jeder Tag und jedes Lebensjahr nicht wiederholbar  sind, dann wird uns bewußt:  das Leben ist ein langsames aber sicheres Hinzugehen auf den Tod, ein Sterben.

Der römische Dichter Vergil drückt den Gedanken des Euripedes so aus:  

"Für jeden steht ein Tag fest. Kurz und unwiederbringlich ist unser aller Zeit!"

Auch für Edelgard Jäger (V.i.S.d.P.), von der wir in dieser Stunde Abschied nehmen, stand dieser, ihr Tag fest, er stand fest am Ende eines langen und erfüllten Lebens.

Und so war der 10.12.2006 der letzte Tag ihres Lebens, unwiderruflich und unabänderlich.

Für Sie, liebe Trauerfamilie, war es ein langer gemeinsamer Weg. Sie haben Anteil genommen an ihrem Leben, haben sie begleitet in guten wie in schweren Tagen und sie dabei immer besser kennen, schätzen und lieben gelernt.

Dennoch:  vieles von dem was ihr Leben tatsächlich ausgemacht hat, das weiß letztlich keiner von uns.

Heinrich Heine hat einmal geschrieben: "Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte" - und ich denke, er hat Recht damit.

Jeder Mensch ist der Mittelpunkt seines eigenen Universums. Jeder erlebt das Leben auf seine ganz persönliche Art und Weise, und mit jedem Menschen der stirbt, geht eine ganze Welt von Erfahrugnen und Erlebnissen verloren.

Vielleicht fällt uns das Sterben auch deshalb so schwer!

Wir verlieren nicht nur unser Leben, sondern auch die Welt um uns herum. 
 
Unsere persönliche Weltgeschichte geht zu Ende. Das Leben selbst geht weiter, nur wir haben keinen Anteil mehr daran.

Dieses Wissen begleitet uns, es bringt einen dunklen Schatten in unser Leben. Und daraus wächst, je älter wir werden, immer stärker die Frage nach  dem, was bleibt.

Eine Frage, die wir uns vielleicht alle irgendwann einmal im Leben stellen:

"Hat unser Leben eine  Bedeutung über den Tod hinaus?"

Einen Hinweis auf eine Antwort gibt uns der Psalm 31, in dem es heißt: "Meine Zeit steht in Deinen Händen, Gott!"

Dieser Satz trifft für unser aller Leben, wie auch für das Leben von Edelgard Jäger zu.

Um Zeit geht es da; meine Zeit, die Zeit, die jeder von uns zum Leben hat. Und diese,  unsere Zeit ist nur ein winziger Augenblick gemessen an den Jahrmillionen der Erdgeschichte. Ein unbedeutendes Zwischenspiel in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte. Eines von Milliarden Menschenleben.

Und doch ist es meine Zeit! Die einzige, die Du und ich zum Leben haben.

Meine Zeit!  Das ist das eine Leben, das jeder von uns auf dieser Welt hat.

Lassen Sie uns in dieser Stunde des Abschiednehmens (nach dem nächsten Musikstück) kurz zurückblicken auf das Leben von Edelgard Berta Jäger (V.i.S.d.P.), ihre Lebensgeschichte und auf sie selbst, die in einem jeden von Ihnen eine Spur ihres Lebens hinterlassen hat.

. . . 

Heute nehmen wir Abschied von Edelgard Jäger. Ein Abschied,  der weh tut, ein Abschied,  der Sie, liebe Trauerfamilie, um einen wertvollen und geliebten Menschen ärmer macht, einen Menschen, der in Ihrer Mitte heute, morgen und auch zukünftig seinen Platz behalten wird.

Sterben, daß heißt Abschied nehmen, das gilt für den der stirbt, und das gilt auch für die, welche zurückbleiben.

So wie der Tod unseren Möglichkeiten, auch den ärztlichen Möglichkeiten, ein Ende setzt, so sehr ist er auch eine Entlastung. Er entlastet uns von der Sorge um den Anderen, von der Pflicht, die wir uns selbst auferlegen, und er entlastet den, der stirbt, von seiner Krankheit, seinem schweren Leiden, und er bewahrt ihn vor einem vielleicht auch langen, menschenunwürdigen  Dahinsiechen. So ist der Tod auch eine Erlösung. Denken Sie daran, wenn wir jetzt Abschied nehmen.

Danken Sie ihr für all das Gute und Wertvolle ihres Lebens! Mit diesem Dank, mit dieser Erinnerung wird Edelgard Jäger in Ihrem Herzen weiterleben.

Wir wollen nun für Edelgard Berta Jäger und auch für uns das Gebet beten, das Jesus selbst uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden,
unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich,
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit - AMEN !

Edelgard Berta Jäger (V.i.S.d.P.), Gott der Herr segne und behüte dich. Er lasse dir österliche Sonne vom Ziel her entgegen leuchten und helfe dir. Der Herr schenke dir seinen Frieden.